Archiv für Oktober 2017

Und wieder Gedanken an den Tag

Oktober 30, 2017 - Willi Magel
Die Operation habe ich gestern noch geschafft, auch die Schläuche im Rücken für die Drainage überstehe ich, mit Schmerzen und etwas frischer Luft und aufrechtem Sitzen.
Was mir aber die Nerven raubt, ist der Gedanke an 4 1/2 Stunden Dialyse im Liegen, mit Schläuchen im Rücken, die bei jeder Bewegung brennen und am Ende von gefühlten 5 Stunden immer mehr in die Haut des Rückens einbrennen, jede Minute ohne Unterhaltung wird zur Qual, in der jede Ablenkung willkommen und erfrischend ist.
Niemand kann das nachvollziehen.
Zum Glück habe ich jetzt vor mir ein deftiges Frühstück aus frischen Brötchen, heißem Kaffee mit Sahne, Butter, Käse und Marmelade, von mir vervollständigt mit einer knackigen Cabanossi.
Dieses Frühstück ist in der Lage, auch den kleinlichsten Geist mit dem kommenden Tag zu versöhnen, und dies tut er auch.
Deshalb wird auch dieser Tag mit guten Gedanken begonnen.

Mantel und Schwert

Oktober 16, 2017 - Willi Magel
Mit goldigem Schwung ziehe ich dem Waran die Peitsche zwischen den empfindlichen Nüstern entlang. Unwillig reagiert die launige Eidechse auf die Ermunterung, setzt sich aber schließlich doch in Bewegung, um die Schlitten, voll mit schweren Metfässern beladen, in Richtung der ursprünglich feindlichen Festung zu ziehen.
Seufzend gedachte ich der Zeiten, als unsere jetzigen Lehensherren noch die Gegner der hiesigen Drachenburg waren.
Doch was war geschehen?
In einer nebellosen Vollmondnacht hatten die skrupellosen Säuger mit Hilfe ihrer Vasallen, der unsichtbaren Fledermäuse, die Drachenburg lautlos überfallen und sämtliche Drachen, Warane und Wyvern mit Ultraschallpfeifen in Trance versetzt, wohl wissend, dass dies deren Achillesferse darstellte.
Innerhalb weniger Stunden hatten die Machtverhältnisse auf Fonderfels radikal und absolut gewechselt.
Nie mehr wieder sollte man das gemütliche Wiehern der Drachen im Metrausch vernehmen.

Interessant

Oktober 15, 2017 - Willi Magel
Ich nehme den Höhrer ab:
Eine sonore, nicht mal unsympathischer Männerstimme sagt, ohne abzuwarten, wer sich meldet: "Ich möchte, dass Sie den Computer zurücknehmen."
Ich bin etwas verdutzt.
"Den Computer, den ich bei EBay gekauft habe. Ist doch keine große Sache. nehmen Sie ihn einfach zurück."
Ich: "Wissen Sie, wo sie hier sind?"
"Das ist egal. Nehmen Sie den Computer zurück. Andernfalls schicke ich ihn per Post."
"Dies ist ein Krankenzimmer in einer Unfallklinik ..."
"Gut, ich schicke ihn per Post!"
Ich legte auf.

Spaziergang in meiner Stadt

Oktober 01, 2017 - Willi Magel
Eines Tages sagt Fennek, meine Katze zu mir:
"Lass uns doch mal beide die Gegend ansehen!"
Ich bin sehr überrascht, denn sie ist bis dahin immer eine reine Wohnungskatze gewesen.
Nun gut, denke ich, gehen wir mal darauf ein.
Ich schnappe mir also ihren Katzentragebehälter und ihr Lieblingsspielzeug, aber Fennek meint nur: "Bist du irre? Bin doch kein Kätzchen mehr! Benimm dich gefälligst!"
Ich nehme mich zusammen.
Mit der nunmehr erwachsenen Katze auf dem Arm verlasse ich das Haus, wobei Fennek es nicht bleiben lassen kann, mit den Aufzugsknöpfen zu spielen.
Auf der Straße kommentiert sie alles ganz cool, aber ich merke, wie aufgeregt sie aus ihrer Schachtel herausschaut.
Als wir später zurück in der Wohnung sind, zittert Fennek noch stundenlang.
Sie ist halt doch mit den Gräueln der Außenwelt nicht vertraut.