BOOT

November 25, 2018 - Willi Magel
Weit vorne, heute sagt man oft: an der Pole Position, sitzt der alte Mann. Man kann auch sagen, er liegt. Jedenfalls ist er vorne. Jeder, der das Boot betritt, sieht ihn sofort. Eigentlich ist seine Position der des Steuermanns angemessen; aber da sein Wortschatz dem des jüngeren Mr. Bean entspricht, vielleicht doch nicht so gedacht. Niemand hat bis jetzt seinen Namen richtig verstanden, deshalb benutzt jeder eine andere Aussprache, in der Hoffnung, die richtige Version zu treffen. Im Original klingt er sowohl fremdländisch als auch von Adel. Der Bibel könnte er nicht entstammen, nein, das könnte er auf keinen Fall. Dagegen spricht nicht nur der karge, aber dennoch deftige Wortschatz. Auch die spärliche Gestik schließt es aus.

Direkt hinter ihm sitzen die Zwillinge. Es sind auch wieder keine richtigen Zwillinge. Der Altersunterschied von 28 Jahren schließt dies schon aus. Vielleicht sind sie auch Vater und Sohn. Oder Onkel und Neffe, so ähnlich wie bei Donald und Tick. Oder Micky und Mack. Oder Goofy und Alfons.
So, jetzt ist aber Schluss, ich werde wieder albern!
Ausserdem geht die Zeremonie los. Während der Alte von den angepasst in Stewardsuniformen gekleideten Bootsratten sorgfältig abgestaubt, gewaschen und gefüttert wird, beginnen die Zwillinge eine lautlose, aber unheimlich intensive Diskussion um die Bestandteile des Frühstücks. Der ältere Zwilling ist Vegetarier. Er behauptet immer, er sei bis zu seinem Unfall vor 3 Jahren Ratte gewesen, könne aber gerade seit dem damaligen Aufenthalt in der Notaufnahme weder Fleisch noch Fleischprodukte riechen oder schmecken, ohne dass ihm schlecht wird. Natürlich macht ihn das für die Arbeit als Bordratte vollständig unnütz. Aber der jüngere Zwilling hilft ihm mit inniger Fürsorge.

Nun, also beschreiben wir die Zeremonie weiter: Nachdem der Ältere alle tierischen Bestandteile entfernt hatte - denn er will auch seine Umgebung schützen - klaubt der Jüngere alles zurück und legt es bei sich dazu. Vor allem Eier liebt er. Dafür hat er andere Marotten. Seine Mutter, die ihn ungern säugen wollte, zog ihn mit einem sonderbaren Teegebräu aus einer afrikanischen Wurzel groß. Für die Zeit auf dem Boot hatte sie ihm ein Konzentrat dieser Wurzel mitgegeben. In Wirklichkeit war es nur eine billige Industrienachahmung des ursprünglichen Wurzeltees. Aber das durfte niemand sagen. Denn wer den Tee beleidigte, beleidigte seine Mutter!

Nach der Zeremonie, die Teller und Besteck in peinlicher Sauberkeit zurückließ, begann der normale Tagesablauf der Zwillinge. Und der war so was von langweilig, wie ein gekochtes Hähnchen. Und abends gab sich die gesamte Mannschaft dem Trunke hin. Das ist langweilig, öde und ekelhaft. Darüber will ich nicht schreiben. Ausserdem fragen mich die anderen drei (und die Ratten) dann immer soviel dummes Zeug. Und das will ich ihnen nicht verraten, genausowenig wie euch. Ist das klar?

Und damit bin ich am Ende dieses Essays. Und nicht nur für heute, eher für immer. Denn die Anderen werden mich töten!

Und hier der mittlerweile fällig gewordene Nachtrag:

Der jüngere Zwilling hat überraschend gegen Ende der heutigen Zeremonie das Handtuch weggeworfen, den Löffel abgegeben, den letzten Bonbon gelutscht, ins Gras gebissen oder was es sonst noch gibt. Aus Erzählungen des alten Mannes schloss ich, dass der ältere Zwilling plötzlich Heißhunger auf hartgekochte Eier gehabt hatte und mit dem anderen Zoff bekommen hatte.
Deshalb: immer grosszügig bleiben!

Mantel und Schwert

October 16, 2017 - Willi Magel
Mit goldigem Schwung ziehe ich dem Waran die Peitsche zwischen den empfindlichen Nüstern entlang. Unwillig reagiert die launige Eidechse auf die Ermunterung, setzt sich aber schließlich doch in Bewegung, um die Schlitten, voll mit schweren Metfässern beladen, in Richtung der ursprünglich feindlichen Festung zu ziehen.
Seufzend gedachte ich der Zeiten, als unsere jetzigen Lehensherren noch die Gegner der hiesigen Drachenburg waren.
Doch was war geschehen?
In einer nebellosen Vollmondnacht hatten die skrupellosen Säuger mit Hilfe ihrer Vasallen, der unsichtbaren Fledermäuse, die Drachenburg lautlos überfallen und sämtliche Drachen, Warane und Wyvern mit Ultraschallpfeifen in Trance versetzt, wohl wissend, dass dies deren Achillesferse darstellte.
Innerhalb weniger Stunden hatten die Machtverhältnisse auf Fonderfels radikal und absolut gewechselt.
Nie mehr wieder sollte man das gemütliche Wiehern der Drachen im Metrausch vernehmen.

Spaziergang in meiner Stadt

October 01, 2017 - Willi Magel
Eines Tages sagt Fennek, meine Katze zu mir:
"Lass uns doch mal beide die Gegend ansehen!"
Ich bin sehr überrascht, denn sie ist bis dahin immer eine reine Wohnungskatze gewesen.
Nun gut, denke ich, gehen wir mal darauf ein.
Ich schnappe mir also ihren Katzentragebehälter und ihr Lieblingsspielzeug, aber Fennek meint nur: "Bist du irre? Bin doch kein Kätzchen mehr! Benimm dich gefälligst!"
Ich nehme mich zusammen.
Mit der nunmehr erwachsenen Katze auf dem Arm verlasse ich das Haus, wobei Fennek es nicht bleiben lassen kann, mit den Aufzugsknöpfen zu spielen.
Auf der Straße kommentiert sie alles ganz cool, aber ich merke, wie aufgeregt sie aus ihrer Schachtel herausschaut.
Als wir später zurück in der Wohnung sind, zittert Fennek noch stundenlang.
Sie ist halt doch mit den Gräueln der Außenwelt nicht vertraut.

Ein Pimp unterwegs

September 26, 2017 - Willi Magel
Grinsend und mit vollen Taschen ging der Pimp zur Stadt, um seine Kröten auf den Kopf zu hauen.
Schon bei der zweiten Straßenecke fand er, was er suchte: ein kleiner Rummelplatz, voll mit kleinen Imbissbuden und Ständen mit Naschwaren.

Letztere boten solche Köstlichkeiten feil wie Zuckerwatte, Schaumwaffeln und Lebkuchenherzen.
Selbst längst verbotene Dinge wie Negerküsse, Magenbrot und anderes waren zu kriegen.

Der Pimp schlug zu: zuerst einige Kartoffelpuffer mir Apfelmus, die er mit einer eiskalten Fanta herunterspülte. Zum Nierenspieß und der nachfolgenden doppelten Bratcurry mit Pommfritz brauchte er nichts zu trinken, er wollte nicht zu früh voll sein.
Anschließend gönnte er sich am Hessenstand einen Handkäse mit Bauernbrot und Butter und eine Portion grüne Soße mit Rindfleisch und Salzkartoffeln, bevor er zu den Süsswaren überging.

Doch, gerade als er anfangen wollte, ging ein fürchterlicher Radau los. Mehrere Hundertschaften mit gefüllten Bierkrügen bewaffneten Lederhosenwandalen stürmten den kleinen Rummelplatz, grölten populistische Parolen und zerschmettern sofort jede Gemütlichkeit.
Traurig ging der Pimp nach Hause, immer noch mit einem Hungergefühl im Magen.

Boykottiert Nestlé!

February 15, 2015 - Willi Magel
Die Wassermarken von Nestlé
Ohne Gewähr auf Vollständigkeit

Marke Länder
Baraka Ägypten
Eco de los Andes Argentinien
Glaciar Argentinien
Charmoise Belgien
Valvert Belgien
Petrópolis Brasilien
Santa Bárbara Brasilien
São Lourenço Brasilien
Cachantun Chile
Porvenir Chile
Da Shan YunNan Spring China
Deep Spring China
Waterman China
Frische Brise Deutschland
Fürst Bismarck Deutschland
Nestlé Aquarel Deutschland
Neuselters Deutschland
Aberfoyle Europa
Acqua Panna Europa
Aqua D'Or Europa
Aqua Pod Europa
Aquapod Europa
Contrex Europa
Powwow Europa
Carola Frankreich
Hépar Frankreich
Plancoët Frankreich
Quézac Frankreich
Sainte-Alix Frankreich
Saint-Lambert Frankreich
Aqua Spring Griechenland
Κorpi Griechenland
Buxton Großbritannien
Levissima Italien
Nestlé Vera Italien
Pejo Italien
Recoaro Italien
San Bernardo Italien
Ghadeer Jordanien
Montclair Kanada
Ciego Montero Kuba
Los Portales Kuba
Sohat Libanon
Gerber Mexiko
Santa Maria Mexiko
Al Manhal mittlerer Osten
Hidden Spring Philippinen
Aqua Mineral Polen
Arctic Polen
Dar Natury Polen
Nałęczowianka Polen
Nestlé Selda Portugal
Springs Saudi-Arabien
Cristalp Schweiz
Henniez Schweiz
Aquarel Spanien
Viladrau Spanien
Water Line Süd Korea
Minéré Thailand
Alaçam Türkei
Erikli Türkei
Theodora Ungarn
Arrowhead USA
Deer Park USA
Ice Mountain USA
Ozarka USA
Poland Springs USA
Zephyrhills USA
La Vie Vietnam
Perrier Weltweit
Pure Life Weltweit
S.Pellegrino Weltweit
Vittel Weltweit

January 16, 2015 - Willi Magel
Minimalforderung